Monkey Mind und The Work

Monkey Mind und The Work

Karpicitta ist ein buddhistisches Wort, welches auf Siddhārtha Gautama (Buddha) zurückzuführen ist. Allgemein bekannter ist wohl eher die englische Übersetzung Monkey Mind – im deutschen auch oft als Gedankenkarussell bezeichnet. Es wird damit ein mentaler Zustand beschrieben, bei dem die täglichen Gedanken als rastlos, wirr, unkontrollierbar und sehr kritisch empfunden werden. Was genau der Monkey Mind und The Work of Byron Katie miteinander zu tun haben, erfährst Du im Laufe dieses Blogartikels.

Buddha sprach im Zusammenhang mit dem Karpicitta auch über „Die acht weltlichen Winde“: Vergnügen, Schmerz, Lob, Tadel, Gewinn, Verlust, Ruhm und Schande. Diese sind Teil von unserem Samsara (Rad des Lebens), und können unsere Emotionen und unser tun aufmischen.

Bei all dem, was manchmal so in unserem Kopf vorgeht, kommt es einem gar nicht so vor, als wäre da nur ein Affe, sondern eher eine ganze (kreischende) Horde – angeführt von King Louie aus dem Dschungel Buch. Wild und ungestüm schwingen sich die Affen den ganzen Tag von Gedanken-Ast zu Gedanken-Ast.

So ziemlich jeden Moment den wir wach sind, springt dieses Äffchen – ungeachtet von Zeit & Raum – durch Vergangenheit und Zukunft hin und her. Typischerweise also zu Ereignissen, die wir entweder nicht ändern oder kaum beeinflussen können. Nur in der Gegenwart ist es eigentlich kaum anzutreffen.

 

Gedanken ≠ Realität

Dass wir dieses mentale Äffchen im Kopf sitzen haben, ist total normal und im Grunde genommen auch gar nicht wirklich das Problem. Disharmonie entsteht erst dann, wenn das Äffchen andauernd die Kontrolle im Oberstübchen übernimmt. So verlieren wir den Fokus und laufen durch unser Leben, ohne wirklich wahrhaftig im Moment zu sein. Wir leben unbewusst und erledigen alltägliches wie ein Roboter, während in unserem Kopf die Affen turnen.

Wir reagieren vielmehr, als das wir mit klarem Verstand agieren. Es kommt ein Gedanke auf und wir halten das Gedachte sofort für wahr und glauben es – ohne überhaupt zu überprüfen, ob es wirklich der Realität entspricht. Das löst wiederum Gefühle und Emotionen bei uns aus und auch unser Körper reagiert entsprechend auf diese energetische Veränderung – uns wird flau im Magen, wir haben einen Kloß im Hals, oder das Herz schlägt schneller. Aus diesem Zustand heraus fällen wir dann oft impulsive oder „vernebelte“ Entscheidungen.

 

Was hat das für einen Einfluss auf unser Leben?

Wie leben wir also unser Leben, wenn das Äffchen sich ständig durch diese Gedanken-Äste hangelt, und wir sie für wahr halten? Sätze wie:

„Ich bin nicht gut genug.“

„Ich schaffe das nicht.“

„Er/Sie liebt mich nicht.“

„Ich hätte mich anders verhalten sollen.“

„Ich sollte …“ oder „Er/Sie sollte…“

Dieser mentale Zustand erschwert nicht nur ungemein unser produktives Denken, sondern kann auch jede Menge Disstress hervorrufen. Disstress ist in diesem Falle der negative und krankmachende Stress. Eustress ist der motivierende Stress, der uns antreibt, uns weiterzuentwickeln und die beste Version unser selbst zu sein.

 

Zu viel Disstress macht auf Dauer krank

Wenn wir uns ständig in Disstress befinden, hat das nicht nur Auswirkungen auf unseren Gemütszustand, sondern manifestiert sich auch auf körperlicher Ebene. Menschen, die viel grübeln, und dem Monkey Mind somit freien Lauf lassen, haben nachweislich eine höhere Kortisol-Ausschüttung. Dieses Hormon, das vermehrt ausgeschüttet wird, wenn der Körper vom Gehirn Stress signalisiert bekommt, bringt unseren unseren Körper auf Dauer ins Ungleichgewicht und er wird krank. Die Folgen sind meist Magen-Darmprobleme, Schlafstörungen und auch Depressionen.

Das Burnout gehört ebenfalls zu den Folgen, und greift in den letzten 3 Jahrzehnten immer mehr um sich. Menschen fühlen sich ausgebrannt und sind unfähig „normal“ weiterzuarbeiten. Burnout Kliniken haben monatelange Wartelisten, sodass viele Menschen keine adäquate Hilfe erhalten können.

 

Ist Kontrolle wirklich besser?

Unser mentaler Kompagnon „wohnt“ in einem Teil unseres Gehirns, welches sehr stark mit dem Ego verknüpft ist – er besteht also sehr vehement darauf angehört und beachtet zu werden. Kontrolle wäre also gut… Verständnis, Akzeptanz und Geduld aber tatsächlich sehr viel besser. Normalerweise geht nämlich der Versuch das Äffchen einzusperren, eher nach hinten los.

Wir sollten versuchen zu erkennen, dass es viel zielführender ist, dass quirlige Tier zum Freund zu machen, anstatt es zu unterdrücken. Verständnis und Selbstreflexion wird nachhaltiger zu einem ausgeglichenerem Gemütszustand führen, als der Versuch die Gedanken & Gefühle zu verdrängen – oder in ihnen zu versinken.

Wenn wir es schaffen, einen Bewusstseinszustand zu erreichen, bei dem wir eine Pause zwischen unseren Gedanken und unserer Reaktion erschaffen, dann kann eine sukzessive Lösung vom Monkey Mind stattfinden. Wir sind in der Lage die Situation, als eine Art Beobachter und in einem größeren Zusammenhang zu betrachten.

Dies zu erreichen erfordert natürlich etwas Übung und auch viel Hingabe. Aber es lohnt sich! Denn nur ein Verstand, der die Realität klar wahrnimmt – sieht, was wirklich ist – kann auch klar handeln.

 

Was kannst Du tun, um Dir den Monkey Mind zum Freund zu machen?

1) Dem Äffchen begegnen – offen und direkt

Indem wir bewusst wahrnehmen, wenn das Äffchen gerade mal wieder besonders aktiv ist, ist der erste Schritt schon mal getan.

Warum ist es gerade so aufgebracht?

Was steckt wirklich dahinter?

Allein zu erkennen, dass wir uns gerade wieder in einem konfusen Bewusstseinszustand befinden, kann schon erhebliche Erleichterung bringen. Versuche dabei aber nicht zu hart mit Dir selbst zu sein und Dir Vorwürfe zu machen – begegne Dir selber mit mehr Verständnis und Mitgefühl.

 

2) Achtsamkeitsübungen – öfter mal im Hier & Jetzt verweilen

Es gibt eine Vielzahl an Tätigkeiten und Übungen um Achtsamkeit zu trainieren und in den Alltag zu integrieren. Achtsamkeit schließt auch ein, dass man geduldig, vertrauensvoll und urteilsfrei den Moment und sein Umfeld wahrnimmt. Sich mit ungeteilter Aufmerksamkeit in dem zu vertiefen, was man gerade tut – ohne es zu bewerten oder mit den Gedanken abzuschweifen.

Die wohl bekanntesten Übungen sind: Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Meditation.

Meditation muss dabei nicht immer das Stillsitzen im Schneidersitz sein, sondern kann auch während des Kochens, Zähneputzens und jeder anderen Tätigkeit geübt werden. Sobald der Fokus mehr auf unserem Körper, oder dem was wir gerade tun, liegt, erlaubt uns das mehr inneren Frieden und Stille zu kultivieren.

 

3) Sport – Körper & Geist in Einklang bringen

Jegliche Form der körperlichen Betätigung bewirkt eine Ausschüttung an Glückshormonen. Das kann ebenfalls zur Beruhigung des haarigen Akrobaten führen und ist eine ganzheitliche Herangehensweise, da körperliche und geistige Gesundheit stark miteinander verknüpft sind.

 

4) Monkey Mind und The Work – mit dem Äffchen reden

Da unser Leid und Stress immer dann entsteht, wenn ein Kontrast besteht zwischen dem, was wir denken, und dem, was tatsächlich geschieht, ist es am sinnvollsten, wenn wir genau dort unsere Aufmerksamkeit hinlenken.

Pablo Picasso sagte einmal: „If only we could pull out our brain and use only our eyes.“ – „Wenn wir doch nur unser Gehirn herausziehen und nur unsere Augen benutzen könnten.“

Eine sehr passende Aussage des weltberühmten Künstlers – abstrakt eben – und ein großes „Problem“ wirklich gut auf den Punkt gebracht. Unser Widerstand gegen die Realität gepaart mit unserer Tendenz zu fast allem eine Meinung zu entwickeln und zu bewerten, ist ein sehr erfolgreiches Rezept für ein Leben in Disstress.

Es geht also darum die Gedanken-Äste, durch die unser Äffchen so munter kletter, zu hinterfragen. Wenn wir am Ende einer solchen Untersuchung den Gedanken nicht mehr glauben, dann kann sich das Äffchen natürlich auch nicht mehr daran festhalten.

Mit The Work of Byron Katie können wir diesen Prozess effektiv durchlaufen. Der stressvolle Gedanke wir aufgeschrieben und mit Hilfe der 4 Fragen und Umkehrungen, helfen wir unserem Verstand unsere ursprüngliche Realität aus neuen Perspektiven zu betrachten. Wir entwickeln also eine offenere Haltung gegenüber dem, was wir im Vorfeld noch als wahr und unumstößlich gehalten haben.

Unsere ungeprüfte Wahrnehmungen und Beurteilungen über eine bestimmte Situationen, sind ungeprüfte Theorien, von denen wir aber überzeugt sind, dass sie der Wahrheit entsprechen. Katie nennt es daher gerne „unsere Geschichte“. The Work of Byron Katie ist dabei nicht nur eine Methode, sondern vielmehr eine Form der Meditation – ein wunderbar tief gehender, innerer Prozess.

Eine detaillierte Anleitung für The Work findest Du hier. Falls Du gleich selber loslegen willst, kannst Du mit dem ArbeitsblattUntersuche eine Überzeugung starten, oder auch das Urteile über Deine/n Nächste/n Arbeitsblatt verwenden.

 

Dem Äffchen eine Banane reichen

Es ist so einfach (und nachvollziehbar) sich zeitweise vom Weltgeschehen, und den eigenen Gefühlen, überwältigt zu fühlen. Schaffen wir es mehr im jetzigen Moment zu leben, öffnet das unseren Geist für die absolute Wahrheit – unsere Aufmerksamkeit ist nicht mehr in der Vergangenheit oder Zukunft. Das Äffchen wird ruhiger und sitzt öfter mal still und zufrieden auf einem Baum.

Mit der gewonnenen Ruhe und Gelassenheit können wir Gedanken, die uns vorher gestresst haben und einfach nicht verschwinden wollten, einfacher vorbeiziehen lassen. Das „Geschichtenerzählen“ wird weniger und das Kopfkino hat auch mal geschlossen.

Stress, Angst, seelischer Schmerz und alle anderen Gefühle werden zu hilfreichen Alarmglocken, die uns erkennen lassen, dass wir an einem ungeprüften Gedanken oder Glaubenssatz festhalten. Sie geben uns damit die Chance, immer wieder neu zu erkunden, was die wahre Ursache für unser Leiden ist.

Mit Hilfe von The Work können wir – auf liebevolle Weise – die Verantwortung für unsere Gefühle und Taten übernehmen, und entdecken gleichzeitig, dass alle Fragen, die wir (in diesem Moment) brauchen, von unserer eigenen, inneren Weisheit beantwortet werden können. Wir können also aufhören nach Antworten und Lösungen im Außen zu suchen.

Ich persönlich finde es immer wieder sehr wertvoll (und notwendig!), mich zu erinnern, dass mein Monkey Mind mich nicht definiert. Das heißt, dass wir keine schlechteren, oder weniger spirituellen Menschen sind, nur weil unsere Gedanken ab und zu mit uns durchgehen.

 

 

Alles Liebe,

Jules

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